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1971 - "Das Passeiertal" von Sepp Haller - Die Passeirer Mundart

"Kommt ein Passeirer Bergbauer nach Meran, so fällt er dort nicht nur seiner Gestalt und Kleidung wegen auf, sondern man erkennt ihn dort auch an seiner Sprache. Diese weicht nämlich vom Volksdialekt im Burggrafenamt ziemlich stark ab. Als besondere Merkmale der Passeirer Mundart seien erwähnt:

a) Der Selbstlaut e wird sowohl als betonter Inlaut, wie auch als tonloser Auslaut beibehalten, wo ihn andere Tiroler Dialekte ausstoßen. So sagt man in Passeier z.B. nicht: g'wes'n, G'schicht', Goas' (Ziegen in der Mehrzahl), Ear (Erde), Mun (Mond), Huhn (Hahn), sondern: Gschichte, gewesn, Goase, Eere, Mone, Hohne.

b) Manchen Wörtern wird die Buchstabengruppe ch eingesetzt. So sagt man für hinab und hinauf nicht etwa "oi" oder "ai", wie im Burggrafenamte, sondern "ochn" und "auchn".

c) Für die Verkleinerungssilbe lein wird in der Einzahl le in der Mehrzahl ler verwendet. Z.B. Steckile - Steckiler, Federle - Federler.

d) Die Buchstaben o und a werden häufig zu oa verbunden: so: Brot - Broat, ja - joa.

e) Das auffälligste Wort des Passeirerdialektes ist aber - hou - und will heißen: ja, gell. Es wird häufig als besondere Bekräftigung des Gesagten dem Satze vorangesetzt oder angehängt. Z.B. Hou, du kearsch nocher ba ins zua! Für hou wird in manchen Fällen auch sou gebraucht.

Der Passeirer Dialekt ist im Vergleich zu anderen Tiroler Dialekten eher wohllautender und weicher, er stimmt eben mit dem Volkscharakter ganz überein. Die meisten Passeirer sprechen langsam und bedächtig. Um den Volkston im Sprechen noch näher zu kennzeichnen, sei ein kurzes Zwiegespräch zweier Bauern angeführt:

Sepp: Guet Morgit, Hans!
Hans: Guet Morgit, Sepp! Wou geasch denn du heint schun hin?
Sepp: Joa, i bin grod afn Weg zi dir auchn. I hatt di lei gewöllt lottern, daßi mir tasch in Eergrottn leichn. Ins ischer gester vorn Feirobm okemmen ban Eeregrattlin und es hotn sauber zomgschlogn.
Hans: Hots decht nor niamit derwuschn?
Sepp: Woll, in Knecht hot er nou a bissl gstraft. Ober tickisch isches nit gongin. Woasch, er hotn gewellt auholtn, sou, nochr hotsn in Fuaß zi verdrahn gekrieg.
Hans: Zemm hot er a nou Glück khob.
Sepp: Joa, sell mießmer in Heargott schun donken, daß es sou glimpfl ogongin isch.
Hans: Sell sog i a! - Joa, sell gea lei auchn zin Haus. Die Moide oder die Kinder sein schun oubm. Mogsch lei sogn, sie solln dr in Eergrottn gebm. I muan, er isch eh vorn Stodl entn.
Sepp: Geah sei so guat, znochts bring i dirn schun wieder zrugg. Vergelt's Gott derweil!
Hans: Isch schun recht! - Fieti!