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1971 - "Das Passeiertal" von Sepp Haller - Die Lage

1971 - "Das Passeiertal" von Sepp Haller - Die Lage

"Hinter Gomion verengt sich das Tal plötzlich schluchtartig. Schäumende Bächlein fallen einige hundert Meter weit von einer Felsenterrasse herab. Darüber liegt Stuls (1350 m), das sonnigste Dörflein von ganz Passeier. Auf der linken Talflanke sieht man die untersten Höfe von der Hochsiedlung Ulfas. Bei der Ortschaft Moos (1007 m, 7 kg ab St. Leonhard) gabelt sich das Passeiertal noch einmal. In Richtung Südwesten öffnet sich das Pfelderertal, das sich bis zum Fuße der Hohen Wilde (3482 m) hinzieht. Eine schmale Straße führt an einen hohen Wasserfall, Stieber genannt, vorbei nach Platt (1146 m, 2,6 km ab Moos), dessen Kirche auf einem Felsenhügel steht. Von dort gelangt man nach weiteren 4 km zum Weiler Hütt und nach Pfelders (1622 m, 11 km ab Moos), der Endstation in diesem Tale. Zur Sommerzeit genießen hier zahlreiche Feriengäste die frische Luft, welche von den nahen Gletschern herunterweht, während im Winter geeignetes Skigelände die Wintersportler anlockt. Von Moos, mit der steilen Gostwand im Westen, windet sich auf der anderen Talseite die Timmelsjochstraße steil empor bis Hahnebaum. Auf diesem Straßenstück, etwa 1 km ober Moos, zweigt die neue Straße rechts nach Stuls ab, an der zur Zeit emsig gearbeitet wird. Der weitere Verlauf der Timmelsstraße ist nun weniger steil, ja zum Teil flach. Tief drunten im Tale sieht man schließlich an sehr lawinengefährdeter Stelle das Dörfchen Rabenstein (1419 m). Einzelne Höfe ringsum liegen wirklich an der Grenze der Lebensmöglichkeit. Beim Anblick dieser Gegend kommt einem unwillkürlich der Spruch in den Sinn: "Neun Monate Schnee, drei Monde Sommer, ein Gott - ein Dach, zwei Geißen. Die Leute sterben vor Heimweh, wenn in die Ferne sie reisen." Beim Hofe Saltnuß (10 km ab Moos), wo das Schneebergerbächlein der jungen Passer zufließt, zweigt der mit Nr. 31 markierte Weg zu St. Martin am Schneeberg ab. Dort befindet sich das höchstgelegene Bergwerk Europas (2355 m). Es wird nach Zink und Blei gegraben. Schließlich wechselt die Straße auf die andere Talseite hinüber und windet sich steil hinauf zum Timmelsjoch (2509 m hoch, 22 km ab Moos). Auf diesem Straßenabschnitt bieten sich die herrlichsten Ausblicke, zuerst über die riesigen Almflächen auf beiden Seiten, höher droben über die nahen Gletscher im Seebertal und schließlich über die vielen Bergkämme hin nach allen Richtungen. Die Paßstraße ist sicher eine der schönsten in den Alpen. Sie ist zwar schon in den dreißiger Jahren geplant und begonnen worden, fertiggestellt wurde sie nach jahrzehntelanger Unterbrechung erst im Jahre 1967. Ganz zuhinterst in der Timmelsalm aber, am Fuße des Berges Botzer (3250 m), springt aus dem ewigen Eise die junge Passer. Würde man von dieser Stelle ihrem Laufe bis zum Zusammenflusse mit der Etsch folgen, müßte man einen zehnstündigen Marsch auf sich nehmen."